Submission
Theresa Büchner

Droopy Rose

DROOPY ROSE zeigte die erste installative und multidimensionale Präsentation der gleichnamigen Videoarbeit Theresa Büchners in den Erdgeschossräumlichkeiten des denkmalgeschützten Gebäudes Schweizer5 (Schweizer Straße 5, 60594 Frankfurt am Main). Theresa Büchner (*1993, Aachen) entwickelt filmische, fotografische sowie textbasierte Arbeiten. Sie begann ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und studierte anschließend bis 2018 an der Gerrit Rietveld Academie Amsterdam. Seit 2019 setzt Theresa Büchner ihr Studium an der Städelschule (Klasse Willem de Rooij) in Frankfurt am Main fort, wo sie 2022 abschließen wird. Zuletzt war ihre Videoarbeit Droopy Rose (2021) beim Kasseler Dokfest zu sehen, wo sie auch für den Goldenen Schlüssel, den Preis für die beste dokumentarische Nachwuchsarbeit, nominiert wurde.


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Theresa Büchner, Droopy Rose, Videoarbeit, 12:30 min., Installationsansicht Raum 2
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Installationsansicht Raum 1
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Installationsansicht Raum 1
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Installationsansicht Raum 3
Ausstellungsposter

EINE BETRACHTUNG DER AUSSTELLUNGSSITUATION
Für ihre Besucher:innen bietet die in der Schweizer5 präsentierte Ausstellung DROOPY ROSE zunächst vier unterschiedliche Rezeptionsangebote der ausstellungsgleichnamigen Videoarbeit Theresa Büchners an: Zwei freistehende und unter einem tiefhängenden Kronleuchter positionierte Bildschirme befinden sich in einem der Zimmer des Villenhauses, das – vom Eingangsbereich geradeaus gehend – betreten werden kann. Die Bildschirme sind mit je einem Kopfhörerpaar versehen und Besucher:innen stehen sich, getrennt durch beide Bildschirme, beim Betrachten gegenüber (Raum 1). In hingegen gemeinschaftlicher Tonrezeption kann die Videoarbeit innerhalb des vom Eingangsbereich aus rechtsseitig gelegenen Zimmers betrachtet werden: Nicht nur der aus zwei Lautsprechern ausstrahlende Ton, sondern auch die in unmittelbarer Bodennähe platzierte, großformatige Leinwand, vor der sich eine Platz für mehrere Betrachter:innen bietende Bank erstreckt, bieten dabei Raum für eine gemeinschaftliche Rezeptionserfahrung (Raum 2). Die vierte Betrachtungsoption, die durch letztgenannte Räumlichkeit erreicht werden kann, ähnelt mit ihrem freistehenden, mit einem Kopfhörerpaar versehenen Bildschirm wiederum an erstbeschriebenes Ausstellungsdisplay (Raum 3). Abweichend davon und zunächst irritierend wirkt hierbei die Ausrichtung des Bildschirms, dessen Rückseite einem Sofa zugewandt ist. Hier lässt sich der Film also nicht – wie üblicherweise erwartbar – ausgehend der wohnzimmerlichen Sitzgelegenheit rezipieren; vielmehr gerät die je rezipierende Person in das Blickfeld von auf dem Sofa Verweilenden. Neben dem Sofa, das zu dem für die Ausstellung beibehaltenen Inventar des 1886 erbauten Villengebäudes Schweizer5 gehört, tragen weitere Rauminhärenten wie etwa Piano, noch mehr Kronleuchter, mit reichlich Stuck und Freskomalereien verzierte Decken und Wände zu einem großbürgerlich-wohnlichen Ausstellungsambiente bei. Dieses weckt Assoziationen an Wohlstand, kapitalistisch fundiertem Statusgut, einem – kurzum – stark gehobenem Sozialmilieu. Verallgemeinernd gesprochen erfährt dieses nicht nur gesellschaftliche Akzeptanz, sondern entspricht auch noch gegenwärtig einem anzustrebenden Ideal. Dass die Künstlerin und Filmemacherin Theresa Büchner mit und in ihrer Videoarbeit DROOPY ROSE eben dieses sozialgesellschaftliche „Ideal“, das oftmals mit dem Ausschluss einkommensschwächerer, sozial benachteiligter und/oder sich vermeintlich nicht in die „Norm“ einfügender Gesellschaftsgruppen – wie etwa Scripted-Reality „Stars“ – einhergeht, kritisch hinterfragt, soll im Folgenden aufgezeigt werden.

EINE INHALTLICHE BETRACHTUNG DER VIDEOARBEIT DROOPY ROSE
Es wäre vielleicht übertrieben, zu behaupten, dass es sich bei DROOPY ROSE um eine durchweg sozialkritische Milieustudie handelt. Möchte man sich einer Klassifikation bedienen, dann ließe sich die rund zwölfminütige Videoarbeit Büchners eher dem Genre des Coming-of-Age zuordnen: Im Mittelpunkt des filmischen Narratives steht ein zwölfjähriges Kind, dem die Betrachter:innen im sommerlichen Setting eines Ferienhauses begegnen. Die Gemütsstimmung des Kindes scheint zwischen Langeweile und depressiver Verstimmtheit zu pendeln; seine Gedanken, die in Form eines Monologes wiedergegeben werden, kreisen um die Infragestellung der elterlichen Reglements, nicht zuletzt um die eigene Sinnstiftung und Identifikationssuche. Dabei kann die, folgt man den Aussagen der Künstlerin, nicht nur den Ausstellungs- und Werktitel besetzende, sondern auch zum motivischen Gegenstand zweier Sequenzen gemachte droopy rose, d. h. die herabhängende Rose, als Sinnbild für die angeschlagene Verfasstheit des Kindes gelesen werden. Ebenso wie der halb vertrocknete Rosenstrauch, den das Kind mit Klebeband zu „reparieren“ versucht, bedarf es einer nicht nur auf Reglements und Absenz basierenden elterlichen Fürsorge. Dass den Eltern der Bau einer Autogarage wichtiger zu sein scheint, als Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, lässt sich dabei etwa aus einem der Monologe des Kindes ableiten. Aber an wem oder was orientiere ich mich, meine Vorstellungen von der Welt, wenn sich meine Eltern mehr für die Pflege und Instandhaltung von Statusgütern interessieren? Mit der Absenz der Eltern geht die Suche nach anderen Vorbildern, nach anderen Identifikationsfiguren einher.
„Kein Fernsehen vor 11 Uhr am Morgen, haben wir uns uns deutlich ausgedrückt“ paraphrasiert das Kind die Worte seiner absenten Eltern und schaltet den Fernseher ein: „Ich war stinksauer, ich hatte meine Sahne nicht“ ertönt es aus dem Mund der Figur Daniela, die im weiteren Verlauf der Story dabei gezeigt wird, wie sie ein Wohnmobil zerstört. Das Gezeigte, das einen überspitzt inszenierten und ins Lächerliche gezogenen Bruch mit den normativ-gesellschaftlichen Verhaltenskonventionen markiert, gleichzeitig „reale (asoziale) Lebensführung“ suggerieren soll, entstammt der im TV-Programm RTL2 ausgestrahlten Scripted-Reality Serie „Family Story’s“. Dabei reagiert das Kind entgegen üblicher Reaktionen wie Belächelung und/oder Abwertung der Protagonistin: Es erkennt nicht nur die oftmals vom (realen) Publikum vergessene Fiktionalität der gespielten Rolle Daniela Fehrenbachs an, was die Künstlerin Büchner, die selbst als Assistenz in einer ebensolchen Produktionsfirma gearbeitet hat, auch innerhalb eines Essays thematisiert. Gleichzeitig löst die Betrachtung der eben nicht nach gesellschaftlichem „Ideal“ agierenden Daniela einen scheinbar positiven (Selbst-)Reflexions- und Handlungsimpuls im Kind aus, der im Verlassen des Ferienhauses mündet.

Wann habe ich als Kind damit begonnen, das von den Eltern mir auferlegte Weltbild zu hinterfragen? Welche „idealen“ Vorbilder und Vorstellungen haben mich in meiner Kindheit geprägt, prägen meine heutige Positionierung in der gesellschaftlich geformten und normierten Welt? Durch die unterschiedlichen Rezeptionsangebote und Displaysituationen derselben Videoarbeit Theresa Büchners regt die Ausstellung – nicht nur auf inhaltlicher Filmebene – dazu an, über eben diese Fragen aus mehreren Blickwinkeln nachzudenken. Dass es sich lohnt, sogar notwendig ist, die vielleicht vorherrschenden eigenen Vorurteile und (Rollen-)Zuschreibungen gegenüber sich im „ideal“gesellschaftlichen Abseits bewegender Personen, was durch Formate wie Scripted-Reality negativ-stereotypisierend befeuert wird, (kritisch) zu reflektieren, dazu bewegt die Betrachtung Theresa Büchners DROOPY ROSE ebenso.

Das im zweiten Textteil angesprochene Essay der Künstlerin, das sich mit eben Letztgesagtem beschäftigt und das sich – im Gegensatz zu der Ausstellung – auch (noch) gegenwärtig aneignen und betrachten lässt, findet sich neben weiteren die Videoarbeit DROOPY ROSE kontextualisierenden Texten, Setfotos sowie Filmstills in der im Rahmen der Ausstellung veröffentlichten Publikation.

Mehr Informationen zu der Publikation: http://theresabuechner.de/