Salzburger Kunstverein

Salzburger Kunstverein
Experience Economy
Heribert Friedl & Marlies Pöschl

Ausstellungsdauer: 13.12.2014 – 01.02.2015
Eröffnung: Fr, 12.12.2014 um 20 Uhr

Mit Experience Economy führt der Salzburger Kunstverein die Reihe der Jahresausstellungen fort. Vom 13. Dezember 2014 bis zum 1. Februar 2015 sind im großen Ausstellungsraum ausgewählte Arbeiten der österreichischen Künstler/innen Heribert Friedl und Marlies Pöschl zu sehen. Anhand von Videos, Objekten und Installationen wirft Experience Economy ein Licht auf die neusten Entwicklungen in der Ausstellungskultur und präsentiert Werke, die das Publikum zur Partizipation anregen und eine Liberalisierung des Raumes einfordern.

Der Ausstellungstitel Experience Economy beschreibt eine radikale Entwicklung innerhalb der Gegenwartskunst. Die aktive Teilnahme des Publikums wird zu einem wesentlichen Bestandteil des Kunstwerks und dient häufig der Vollendung einer künstlerisch gesetzten Prämisse. Mit dieser Entwicklung geht auch eine Umdeutung des Ausstellungsraumes einher. Dieser wird aus seiner traditionellen Bedeutung als Ort der Kontemplation und Innerlichkeit in einen Ort der Kommunikation, Erfahrung und des Erlebens überführt. Gleichzeitig wirkt sich dieser Wandel auch liberalisierend auf den bürgerlichen Repräsentationsgedanken aus, der historisch an Kunst und Kunsträume geknüpft ist. Dieser Demokratisierungsprozess ermöglicht mehr Menschen den Zugang zu Kunst und kulturellen Einrichtungen. Experience Economy versammelt vor diesem theoretischen Hintergrund künstlerische Arbeiten, die partizipatorische oder interaktive Ansätze verfolgen.

Für die Präsentation der Werke wurde eine Ausstellungsarchitektur entworfen, die auf der Idee von Heribert Friedl beruht. Die Wand des Salzburger Kunstvereins ist in einem Farbverlauf von Schwarz nach Weiß gestaltet und verbindet elegant die Konzepte des White Cube und der Black Box miteinander. Diese Wandgestaltung bietet außerdem die besten Möglichkeiten um die Objekte und Installationen von Heribert Friedl zusammen mit den Video- und Filmarbeiten von Marlies Pöschl in einem engen Dialog zu präsentieren.

Heribert Friedl hat für seine Arbeit 170/171 (2014) eine transparente Duftlasur auf die weiße Wand aufgetragen. Reiben die Besucher/innen vorsichtig an der Wand, so öffnen sich diese Kapseln und verströmen einen individuell interpretierbaren Duft. Für diese Arbeit taucht Heribert Friedl in die Geschichte des Salzburger Kunstvereins ein, rekurriert auf die Gründung des Hauses im Jahr 1844 und nimmt die 170 Jahre seiner Bestehung als Anlass für die formale Umsetzung der Wandarbeit in den Zeichen der Blindenschrift. So wird die Berührung der Wand zu einem Akt des Lesens und Verstehens einer für die meisten Menschen unbekannten Formensprache. 170/171 lebt von der Aktivierung und Vollendung durch die Besucher/innen.

In der Videoinstallation Sternheim (2011) inszeniert Marlies Pöschl zusammen mit 12 Jugendlichen eine Castingsituation zwischen Dokumentation und Fiktion. Auf der Grundlage des Romans „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ (1771) wird eine Narration entwickelt, die über den inhaltlichen Plot hinausgehend auch die fluiden Grenzen von Theater, Film und Realität thematisiert. In ihrer neuen Videoarbeit L’École de Simili (2014) führt sie diese Arbeitsweise fort und inszeniert Momente der Improvisation. In diesem offenen Prozess lotet Marlies Pöschl zusammen mit ihren Darsteller/innen das dramaturgische Potential von erlernten Verhaltensmustern und spontanen Reaktionen aus. Für Experience Economy werden die Videoinstallationen in einem ortsspezifischen Setting präsentiert.

Kuratorin: Vivien Trommer

Heribert Friedl wurde 1969 in Feldbach geboren. Er hat Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst Wien studiert. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Duftstoffen und ihrer Wirkung. Seine raumbezogenen Installationen, die er mit Gerüchen verbindet, fasst er unter dem Begriff „nonvisualobjects“ zusammen. Heribert Friedl hat u.a. Ausstellungen in Ungarn, Deutschland, England, Italien, USA, Kuba, Belgien, Niederlanden, Tschechische Republik, Schweiz, Frankreich, Slowakei, Portugal, Israel, Kroatien, Montenegro, Türkei, Zypern und Österreich realisiert. Er lebt und arbeitet in Wien.

Marlies Pöschl wurde 1982 in Oberndorf bei Salzburg geboren. Sie hat Kunst und Digitale Medien an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert. Im Rahmen mehrerer Aufenthaltsprogramme für Künstler/innen hat sie ortsbezogene Film- und Videoarbeiten in Paris, Shanghai und Teheran realisiert. Ihre Arbeiten wurden in Ausstellungen und auf Filmfestivals in u.a. Großbritannien, USA, Deutschland, Frankreich, Australien, Slowakei, Slowenien, Polen und im Iran gezeigt. Sie lebt und arbeitet in Wien.

 

Marlies Pöschl

Marlies Pöschl L’École de Simili-, 2014 Video, HD, Farbe, stereo 21:40 Min. Courtesy die Künstlerin Foto: Andrew Phelps

 

Experience Economy

Experience Economy, 2014 Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein Foto: Andrew Phelps

 

Marlies Pöschl

Marlies Pöschl L’École de Simili-, 2014 Video, HD, Farbe, stereo 21:40 Min. Courtesy die Künstlerin Foto: Andrew Phelps

 

Experience Economy

Experience Economy, 2014 Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein Foto: Andrew Phelps

 

Bildschirmfoto 2015-01-10 um 09.40.37

Marlies Pöschl L’École de Simili-, 2014 Video, HD, Farbe, stereo 21:40 Min. Courtesy die Künstlerin Foto: Andrew Phelps

 

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Experience Economy, 2014 Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein Foto: Andrew Phelps

 

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Marlies Pöschl Sternheim, 2011 Video, HD, Farbe, stereo 35:09 Min. Courtesy die Künstlerin Foto: Andrew Phelps

 

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Marlies Pöschl Sternheim, 2011 Video, HD, Farbe, stereo 35:09 Min. Courtesy die Künstlerin Foto: Andrew Phelps

 

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Experience Economy, 2014 Ausstellungsansicht Salzburger Kunstverein Foto: Andrew Phelps

 

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Heribert Friedl 170/171, 2014 Duftlasur auf Wand (Brailleschrift Punkte) Variable Dimensionen Courtesy der Künstler Foto: Andrew Phelps