Serge Charchoune

In seiner ersten Einzelausstellung in Berlin präsentieren die Kunstsaele eine sorgfältig kuratierte Auswahl an Gemälden und Schriften Serge Charchounes und laden Sie hiermit herzlich zur Ausstellungseröffnung am 16. September 2015 ein.

Serge Charchoune träumte bereits als Kind von einem Leben als Künstler, Musiker oder Schriftsteller. Er wuchs in ländlicher Umgebung zwischen den Wäldern und Gewässern der russischen Region Samara, in einem kleine Ort namens Buguruslan auf. Gemälde wie Epiderme Paysage spiegeln seine enge Verbindung mit der Natur und dem Organischen wieder. Mit Aufenthalten in Moskau, Paris, Barcelona, Berlin und den Galapagos Inseln kam er mit einer Vielzahl moderner Kunstformen, wie Dada, Kubismus, Purismus und informeller Kunst in Kontakt. Trotz der verschiedenen Stile finden sich in sämtlichen Werken Charchounes seine individualistischen Merkmale wieder. Im wechselseitigen Austausch von Kunst und Sinneseindrücken sah Charchoune ein synästhetisches Zusammenspiel und es gelang ihm mit unterschiedlichsten Methoden Bezüge zwischen Sprache, Musik und Malerei herzustellen.

Bis Anfang der 1930er Jahre wuchs Charchounes Ruf in der Kunstszene stetig. Er stellte unter anderem in Percier, Quatre Chemins, Aubier, Théophile Briant, Jeanne Bucher, Boneparte und der Sturm aus. Die Aus- stellung in den Kunstsaelen widmet sich vor allem Werken, die im Verlauf der 1920er Jahre und bis hin zu seinem Tod 1975 entstanden.

Charchoune war aktives Mietglied der Dada-Bewegung. 1921 veröffentlichte er mit Hilfe von Philippe Sou- pault sein Dada Performance-Gedicht foule immobile. Es war für einen Chor mit 25 Stimmen geschrieben worden, wurde allerdings allem Anschein nach nie aufgeführt. Nach dem Börsencrash von 1929 war Char- choune zu einem Leben in Armut gezwungen und obwohl seine Werke bis Mitte der 30er Jahre in interna- tionalen Gruppenausstellungen gezeigt wurden, war die Galerie Percier nicht in der Lage seine Arbeiten zu verkaufen. Er malte auf kleinen Leinwandausschnitten mit Farbüberresten die er sich von Freunden auslieh. Trotz des kleinen Formats zeichnen sich Gemälde dieses Jahrzehnts, wie Pluie Colorée, durch einen außer- gewöhnlich experimentellen Stil und beinahe geheimnisvollen Charakter aus. Auch in den 1940er Jahren bleibt Charchoune seiner originellen und einzigartigen Arbeitsweise treu. Er experimentiert mit farbfrohen Kompositionen und borstigen Pinselstrichen, arbeitet aber auch mit minimalistischen und monochromen Formaten. Seine Gleichgültigkeit gegenüber den kommerziellen Seiten des Kunstbetriebs führte häufig zu komplizierten und zwiespältigen Beziehungen zwischen dem Künstler und seinen Händlern. Auch wenn einige Verhältnisse von Freundschaft und Loyalität geprägt waren, hatte Charchoune auch mit Nötigun- gen, Verleumdungen und Untaten seitens der Händler zu kämpfen. Taktiken seine Karriere voranzubringen interessierten ihn wenig. Am liebsten hätte er seine gesamte Aufmerksamkeit in das Handwerk der Malerei investiert.

Um 1953 zeigt Charchoune mit La Dolorosa de Murcia eine bisher für ihn untypische figurative Darstellungs- weise mit nahezu morbidem Charakter. Als sich Charchounes finanzielle Situation besserte, besuchte er häufig Konzerte und hörte viel klassische Musik. Die Musik wurde zu einer neuen Inspirationsquelle. Er gab seinen Werken die Namen bekannter Musikstücke. Rhythmische Bewegungen, ornamentale Elemente sowie monochrome Farbgebung wurden erneut Teil der künstlerischen Praxis Serge Charchounes. Seine letzte große Reise unternahm er auf die Gallapagosinseln, fasziniert von Evolution und Metamorphose. Er erkrank- te kurz darauf und kehrte schließlich ein allerletztes mal nach Paris zurück.

Auch wenn sich Charchoune zumindest teilweise mit Künstlern, Kunsthändlern oder Schriftstellern aus- tauschte, lebte er oft zurückgezogen und einsam. Er selbst sagte: „I see a lot of people, shake a lot of hands, but I have no real friends“. Doch es ist genau diese Zurückhaltung seiner Person die ihm so viel Freiraum
in seinem Schaffen als Künstler ließ und es ihm ermöglichte ein schwer kategorisierbares und individuelles Zeichen in den Annalen der Kunstgeschichte zu setzen. Er selbst brachte mehrmals zum Ausdruck: „I keep a low profile, and I have a lot of freedom.“

(Pressemitteilung)

 

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Installation view, Courtesy Kunstsaele Berlin / Fotograf Stefan Hähnel

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Installation view, Courtesy Kunstsaele Berlin / Fotograf Stefan Hähnel

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Installation view, Courtesy Kunstsaele Berlin / Fotograf Stefan Hähnel

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Installation view, Courtesy Kunstsaele Berlin / Fotograf Stefan Hähnel

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Installation view, Courtesy Kunstsaele Berlin / Fotograf Stefan Hähnel

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Installation view, Courtesy Kunstsaele Berlin / Fotograf Stefan Hähnel

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Serge Charchoune, Composition, 1961, Coloured pencil and ink on paper, 20 x 16 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

SC_Axis Mundi, 1942, Oil on canvas, 46 x 37.2 cm

Serge Charchoune, Axis Mundi, 1942, Oil on canvas, 46 x 37.2 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

SC_Epiderme-Paysage, 1929, Oil on canvas, 16.5 x 21.8 cm

Serge Charchoune, Epiderme-Paysage, 1929, Oil on canvas, 16.5 x 21.8 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

SC_Grossissement, 1927, Oil on canvas, 18.6 x 19.8 cm

Serge Charchoune, Grossissement, 1927, Oil on canvas, 18.6 x 19.8 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

SC_Impressionisme Ornamental No.5, 1930, Oil on canvas, 15 x 47 cm

Serge Charchoune, Impressionisme Ornamental No.5, 1930, Oil on canvas, 15 x 47 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

SC_La Amargura II, 1953, Oil on canvas, 36 x 56 cm

Serge Charchoune, La Amargura II, 1953, Oil on canvas, 36 x 56 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

SC_La Dolorosa de Murcia, 1953, Oil on canvas, 33 x 41 cm

Serge Charchoune, La Dolorosa de Murcia, 1953, Oil on canvas, 33 x 41 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

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Serge Charchoune, La maison aux deux arbres, 1954, Oil on canvas, 33 x 40.6 cm.jpg, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

 

 

SC_Paysage - Moulin à Vent, 1938, Oil on canvas, 26 x 40 cm

Serge Charchoune, Paysage – Moulin à Vent, 1938, Oil on canvas, 26 x 40 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

SC_Untitled, 1974, Oil on canvas, 16 x 22 cm

Serge Charchoune, Untitled, 1974, Oil on canvas, 16 x 22 cm, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

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Serge Charchoune, Liszt N4, 1954, Oil on canvas, 27 x 41 cm.jpg, Fotograf Pavel D., Owner/courtesy: Private Collection, UK.

 

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