Submission
Sóley Ragnarsdóttir

Dot, dot, dot


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Sóley Ragnarsdóttir, Untitled, 2021, Acrylic, canvas, wood, 200x135cm.
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Sóley Ragnarsdóttir, Irish setter with rabbit 2, 2019, Acrylic, beads, sunflower seeds, epoxy, plaster, wool, wood, 120x90cm.
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Sóley Ragnarsdóttir, Untitled, 2021, Napkins, acrylic, epoxy, plastic, cotton, 60x45cm.
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Sóley Ragnarsdóttir, Untitled, 2021, Acrylic, canvas, wood, 200x135cm.
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Sóley Ragnarsdóttir, Untitled, 2020, Acrylic, paper, wood, amber, shells, epoxy, 30x22cm.

Dot, dot, dot.
Über Relationalität und entrückte Welten

Im Jahre 2000 wurde ein folgenreiches Konzept der Geologie in die Welt gesetzt: Das Zeitalter des Anthropozän wurde von den Forschern Paul Crutzen und Eugene F. Stroemer ausgerufen. Der geochronologische Abschnitt, der auf das Holozän folgen soll, setzt den Menschen – daher die Vorsilbe „Anthropo-“, altgriechisch für „Mensch“ – als geologischen Akteur in den Vordergrund, der die Natur und das Klima durch sein Leben und die entsprechenden Eingriffe in die Umwelt maßgeblich verändert habe. Das Konzept des Anthropozän beschäftigt auch die geisteswissenschaftliche Forschung, die nach dem Verhältnis vom Menschen zur Welt fragt. Kultur und Natur sind einander nicht länger diametral gegenübergestellt, es geht um eine viel komplexere Verwobenheit. Die Perspektive, die das Konzept des Anthropozän enthält, kann Analysekategorien für die Gegenwart liefern – aber kann es auch Visionen für die Zukunft geben? Die feministische Naturwissenschaftshistorikerin Donna Haraway entwarf 2016 einen utopischen Gegenentwurf, das Chthuluzän. Es leitet sich vom griechischen chthonios ab, welches übersetzt „der Erde, dem Erdboden angehörig“ lautet. Haraway schlägt vor, die Menschheit zu dezentrieren und eine neue Relationalität zu anderen Lebewesen zu suchen. Statt von Vorstellungen eines kollektiven „Wir“ auszugehen, dem die Natur und Umwelt entgegenstehen, soll nach unsichtbaren Verbindungen zu anderen Lebewesen gesucht und auf diesem Wege eine andere Welt entworfen werden. In ihrer ersten Einzelausstellung „Dot, dot, dot“ verschreibt sich die Künstlerin Sóley Ragnarsdóttir einer ähnlichen Suche nach Relationalität, nämlich der Symbiose als übergreifendes Sujet: Von Kunst zum Kunsthandwerk, über den Menschen zum Tier, vom Ornament zur Linie, löst sie Polaritäten auf und fragt nach tiefgreifenden, widersinnigen Verwandtschaften.

Zwei Augen, eines rot, das andere lichtgelb, starren richtungslos drein. Auf dem faserigen, orange-grauen Untergrund sind die gezeichneten Umrisse eines Jagdhundes, dem Irish Red Setter, mit seiner Beute, einem Hasen, zu sehen. Die Linienzeichnung erscheint auf den ersten Blick schlicht und reduziert; kleine, verspielte Spiralen an Ohren und Fell der Tiere muten ornamental an. Die Umrisse sind gefüllt von dem mehrschichtigen Untergrund, der eingefasst ist von Sonnenblumenkernen, die konzentriert aneinandergereiht und mit feinen Glasperlen bestreut sind. Ragnarsdóttirs Malerei kann als Vorahnung auf ihre künstlerische Praxis gelesen werden: Ihre Begegnung mit dem Medium ist skulptural im Umgang und geht über ein klassisches Materialverständnis hinaus. Viel eher scheinen ihre Werke interessiert an einer heterogenen Kombination von verschiedensten Materialien. Für Irish Setter with Rabbit 2 fertigte die Künstlerin einen großen Keilrahmen an, den sie mit orangener Mohair-Wolle und synthetischer Glitzerwolle webte. Statt Leinen wurde eine Plastikfolie auf die Vorderseite gespannt, um diese folglich rücklings mit Gips auszugießen. Durch dieses eigens entwickelte Verfahren der Künstlerin entsteht die unebene, multidimensionale Oberfläche, auf der die Zeichnung der Jagd liegt. Abschließend goss die Künstlerin Epoxidharz über die gesamte Fläche, wodurch die filigranen Materialien befestigt werden und die Oberfläche gläsern erhärtet. Das Werk strotzt vor polarer Nuanciertheit. Einfache Linien verlieren sich in verträumten Ornamenten, leere Augen eröffnen einen lebendigen Bildraum, durch verworren beigen Gips schillern synthetischer Faden und warme Wolle. Das Harz verbindet sie, verfremdet ihre Setzung zu einem nonchalanten Artefakt, als würde alles schon immer so zusammengehören. Die Malerei materialisiert sich regellos, folgt eigenen Prinzipien der Ordnung. Ragnarsdóttir produziert auf diese Weise symbiotische Materialverknüpfungen, mit denen sie gängige kunst- und kulturtheoretische Paradigma hinterfragt und schlichtweg auflöst. Das Ornament bildet keinen Widerspruch zu klaren Linien. Die Augen, die oftmals als seelischer Zugang zu einem Bild interpretiert werden, verwehren den Eintritt. Die sich überlagernden Schichten bieten ebenso einen anderen Blick auf die Möglichkeiten der Malerei: Die Leinwand wird nicht überwunden – warum auch? –, sondern zum Träger im wörtlichen Sinne, nämlich der eines Artefaktes, welches männliche Fantasien von Jagd und Natürlichkeit (Jagd als „natürliche“ Populationskontrolle und Freizeitbeschäftigung weißer Männer) in eigensinnigen Materialentscheidungen auflöst. Ragnarsdóttir Werk changiert ohne Abbruch in Auseinandersetzungen zwischen dem Menschen als geologischen Akteur und Gegenentwürfen hierzu, ohne dabei das Spiel mit Medium und Gattung aus den Augen zu verlieren. Diese Simultanität von (biologischer) Ethik und Ästhetik verknüpfen sich zu einem Tanz, der den Betrachter*innen die Potenzialitäten beider unterschiedlichen Felder anbietet und den Raum träumerischer Utopien eröffnet.

Das simultane Sein findet sich auch in Untitled wieder. Es besitzt einen klassischen, einfachen Keilrahmen. Mit den gleichen roten Punkten übersäht wie die durchsichtige Bildfläche aus Epoxidharz, ist der Rahmen durch die Wiederholung von Farben und Formen inhärenter Teil des Werks. Statt dass der Keilrahmen die Werkgrenze markiert, wird er spielerisch als Material der Malerei miteinbezogen. Untitled greift die Idee der Schichtungen und Überlagerungen erneut auf. In mehreren gegossenen Epoxidharz-Schichten befinden sich rhythmische Papierzuschnitte, Holz, Bernstein, Muscheln, darüber und dazwischen immer wieder die konzentriert gesetzten roten Punkte. Dot, dot, dot. Ragnarsdóttir beschreibt diesen schrittweisen Prozess als Prinzip der Organisation, nämlich der Organisation von Wissen, Farben und Formen. Wie eine Matrix, eine Art Collage ihrer Gedanken und Arbeitsschritte, lassen die Werke durch die sichtbaren Schichten das Lesen ihrer Mehrschichtigkeit zu, die in ihrem eigenen Kosmos verweilen: Auch wenn das Epoxidharz glänzt und schimmert wie Glas, können wir uns darin nicht spiegeln. Die Illusion der Reflexion ist passé, eine neue Welt öffnet sich, die die Selbstsicht auslischt und den Eintritt in ihre eigene Realität einfordert.

Eine weitere Werkreihe in der Ausstellung „Dot, dot, dot“ bilden die Servietten, die an Parameter der vorherigen Werke anknüpfen. Servietten werden aus unterschiedlichen Gründen, in unterschiedlichen Kontexten genutzt. Zur Säuberung nach einem Essen sind sie rein funktional, viel öfter dienen sie jedoch der Dekoration und Schaustellung von Manieren, beispielsweise dem Platzieren der Serviette auf dem Schoß und dem zurückhaltenden Abtupfen des Mundes. Mit unterschiedlichen Designs für alle denkbaren Anlässe dienen sie als Objekt, das als Zeugnis von Raffinesse und Geschmack ausgelegt und genutzt wird. Die variable Preisspanne ermöglicht eine klassenübergreifende Nutzung, gerade zur Nutzung als soziales Zeugnis. Die etlichen Designs und die einfache Zugänglichkeit machen die Serviette zu einem beliebten Sammelgegenstand. Sóley Ragnarsdóttir greift mit ihrer Werkreihe eine vererbte transgenerationale Praxis ihrer eigenen Familie auf: Über Jahrzehnte sammelten Familienmitglieder Servietten, die die Künstlerin nun in ihrer eigenen Sprache kontextualisiert. In der Hälfte zusammengelegt näht sie für Untitled verschieden gemusterte und geformte Servietten zu einer neuen Form zusammen. Sie sind jeweils mit Epoxidharz übergossen, wodurch sie durchscheinend werden; die sich fortan überlappenden Muster finden sich zu neuen, illusionistischen Formationen zusammen. Auf der glänzenden Oberfläche sind wiederholende Motive der Künstlerin platziert: große, blaue Augen, mit feinen Linien bemalte Ovale und geschwungene Formen, rote Punkte, kleine glitzernde Schmucksteine. Die kräftigen Kreuzstiche und das Epoxidharz bilden schützende Elemente des Zusammenhalts, verbinden Vergangenheit und Gegenwart, familiäre Sammlung und künstlerische Reflexion miteinander. Die malerische Handschrift Ragnarsdóttirs, die auf den Servietten liegt, wird zu der Einschreibung in die familiäre Tradition. Statt sie zu überschreiben, eröffnet sie mit der Schicht des Epoxidharzes eine neue Fläche für ihre Malerei; die Sichtbarmachung beider aufeinanderliegenden Hälften verlaufen ineinander zu neuartigen Ornamenten; alte Formen werden in ein größeres Ganzes verknüpft. Ragnarsdóttir eröffnet in dieser Sichtbarmachung und simultanen Verfremdung der gesammelten Objekte ein Archiv von Design und Ornamentalität, Familiarität und Fremdheit, Vergangenheit und Gegenwart.

Unruhig bleiben. Diese Worte sind der Titel des Buches Haraways‘, in welchem sie das Chthuluzän als utopischen Weltenentwurf vorschlägt. Hieran angelehnt lassen sich über Ragnarsdóttirs Werke denken: Spielerisch bleiben. Familiäres Archiv trifft auf künstlerische Handschrift, feine Pinselführung trifft auf Naturmaterialien, auf Gips und Harz und Fadenspiele. Immer interessiert an Momenten der Symbiose, an den Zwischenräumen, die Polaritäten überbrücken und neue Flächen ausfüllen, führt uns die Künstlerin ohne Dogma durch die Täler von Ethik und Ästhetik, die sich in ungeahnten Relationalitäten spiegeln und entrückten Welten entfalten.

Seda Pesen