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Hiding in plain Sight

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Hiding in plain Sight, Overview
Hiding in plain Sight, Overview
Hiding in plain Sight. A group show at The Pool (Düsseldorf) featuring artists: Jannis Besen, Nicola Bizzarri, Christian Eisenberg, Magdalena Frauenberg, Annabelle Agbo Godeau, Luisa Heinz, Vincent Scheers, Maxine Weiss, Eunjin Yoo. Curated by Paulina Seyfried.
Jannis Besen, Espèces d'espaces (2022), Wood, metal sheet, grid structure, colour.
Jannis Besen, Espèces d'espaces (2022), Wood, metal sheet, grid structure, colour.
Magdalena Frauenberg
Magdalena Frauenberg
Hiding in plain Sight, overview
Hiding in plain Sight, overview
Vincent Scheers, Neigbour (2020), paperbag, leaves, glue, taxidermy foxtongue.
Vincent Scheers, Neigbour (2020), paperbag, leaves, glue, taxidermy foxtongue.
Magdalena Frauenberg
Magdalena Frauenberg
Maxine Weiss, People look like ants from above here (2022),  found objects, wool and video (3.10’) on wire mesh
Maxine Weiss, People look like ants from above here (2022), found objects, wool and video (3.10’) on wire mesh
Maxine Weiss, People look like ants from above here (2022), Detail
Maxine Weiss, People look like ants from above here (2022), Detail
Luisa Heinz
Luisa Heinz
Luisa Heinz, Detail
Luisa Heinz, Detail
Christian Eisenberg
Christian Eisenberg
Annabelle Agbo Godeau
Annabelle Agbo Godeau
Annabelle Agbo Godeau
Annabelle Agbo Godeau
Hiding in plain Sight, overview
Hiding in plain Sight, overview
Eunjin Yoo
Eunjin Yoo
Christian Eisenberg
Christian Eisenberg
Nicola Bizzarri
Nicola Bizzarri
Vincent Scheers, wasp and bee on knife (2022), wasp, bee, knife, metal.
Vincent Scheers, wasp and bee on knife (2022), wasp, bee, knife, metal.
Jannis Besen, ShAmE (2022), Drawing sewn into city map of Paris sewn into pillow
Jannis Besen, ShAmE (2022), Drawing sewn into city map of Paris sewn into pillow
Hiding in plain Sight, overview, Annabelle Agbo Godeau, Ye (2022), oil on canvas
Hiding in plain Sight, overview, Annabelle Agbo Godeau, Ye (2022), oil on canvas
Hiding in plain sight oder: Tagträume befragen. {Randnotiz: Dieser Text ist Teil und Prolog der Ausstellung Hiding in plain sight. Er basiert auf einem Fragenkatalog, den alle Beteiligten beantworteten. Die Antworten finden sich hier verwoben, erweiteren, befragen wieder und bieten eine mögliche Lesart an. Die Verbindungslinien wurden von Paulina Seyfried gezogen, welche das kollaborative Projekt als einblickende Außenstehende begleitete.} Träumen gilt gemeinhin ein constant state of being, a continuous state of illusion. Träume sind aber auch schwierige und unkontrollierbare Räume für subjektive Eingriffe und Entwicklungen. Wie verhält es sich mit Tagträumen, – kann man sich in ihnen begegnen, symbiotisch oder parasitär? (Wie) geht Zusammensein? Wir sind zu jeder Zeit und in jedem Moment Individuen und daher nie ganz Gemeinschaft. Nein, anders. Doch steht die Idee des Individuums auch für die in-sich-funktionierende-Menschmaschine: ein bedeutungsloses Ganzes, welches erst dann interessant wird, wenn es sich durch Aktion-Reaktion und das Ausmessen von Machtverhältnissen – sei es durch körperliche oder verbale Interaktion – der Welt zugehörig wird. Risse in der Displayoberfläche entstehen durch Brüche der eigenen Realitätswahrnehmung. Ein individuelles Ganzes bin ich im Glück, in der Scham, der Sucht, der Vergessenheit, der Abwesenheit von Kultur. Wahrheit hängt demnach von individuellen wie relationalen Geschichten ab und ist nie objektiv? Nun ja, hierzu fällt mir lediglich der Gedanke ein, dass bei aller Bemühung hermetische, für sich stehende, konsequente und überzeugende Kunstwerke zu schaffen, stets ein besonderes Potenzial in den Beziehungsweisen und Handlungsräumen mit anderen Wesen liegt. Kunstwerke und ihre Welt als Gitter, als Raster, durch das man in einen abweichenden Zustand fällt, einschließt und ausschließt. Oder anders: In der Gemeinschaft zu verweilen, statt sie zugunsten des Selbst zu negieren, ist wohl die einzig aushaltbare Existenzform. ... Wahrheit ist ein starres Konzept, für das man streiten oder töten oder an das man glauben kann. Doch gleichzeitig: löst sich die Existenz von Fiktion durch die Nicht-Existenz von Nicht-Fiktion auf. (Oder die Grenzen sind so im Fluss, dass sie keine Bedeutung mehr haben?) Vor Kurzem habe ich gelernt, dass Rehe in flache Teiche gehen, um sich von Blutegeln beißen zu lassen. Die Blutegel haben Enzyme in ihrem Speichel, die Muskelschmerzen lindern. Symbiose wird oft als parasitär missverstanden und umgekehrt. Ein Parasit braucht funktionierende Strukturen, auf die er sich niederlassen kann. Der Wirt braucht den Parasiten zunächst nicht. Eine wünschenswerte Art des Zusammenlebens in einer Gruppe oder zwischen Individuen erfordert ständige Überwachung und das Setzen von Grenzen sowie zuzulassen, dass bestimmte Grenzen überschritten werden. Gleichzeitig habe ich schon öfter gedacht, dass mich Mücken gerne stechen und mein Blut haben könnten, wenn die Stiche nicht jucken würden. Dann wäre der parasitäre Akt nicht so schlimm. Ein schlauer Parasit würde dann immer nur so viel vom Wirt nehmen, dass der sich erholen könnte und möglichst lange alle Beteiligten gut leben könnten, weil der Wirt genug zu geben hat. Aber so läuft es irgendwie nicht. Deswegen ist der erstrebenswertere Zustand eher die Symbiose? Nein, nein, Eins und Eins kann nie Eins ergeben – Einswerden als Utopie - im Kollektiv aufgehen als Stärke? Symbiose als das Glück der Verschmelzung (?) Ein Parasit ist hingegen jemand, die oder der sich dissozial verhält; wenig bis gar nichts zurückgibt. Oder: Eine Ansammlung von Parasiten ist der wahrhaft kollektive Tagtraum, ist Utraromantik1. Sie werden zu Tagträumer:innen, zu Kollaborateur:innen, zu Kämpfer:innen für die eigene Sache, das eigene Streben ohne Gewissen. Im Miteinander, ohne ineinander aufzugehen, sich aufzuheben. 1+1 =3. Wo höre ich auf, wo fängst du an? [Bei der Rekonstruktion eines Erlebnisses kompensiert das Gehirn im Unterbewussten jeden Informationsmangel mit zuvor gesammelten Informationen, Erfahrungen. So lassen sich auch Träume nur in Teilen rekonstruieren, vermengen sich unmittelbar mit den eigenen Fähigkeiten des Erzählens.] Tausende Jahre der Philosophie haben uns nicht einen Zentimeter näher an die tatsächliche Wahrheit gebracht, sodass wir zu dem Schluss kommen können, dass das Einzige, was wir wissen, der Wunsch ist, eine Geschichte zu erzählen. Künstlerische Praxen erzählen auch Geschichten, vermitteln Perspektiven, die sich mit anderen vermengen. Und ohne wahr oder als Ganzes greifbar zu sein, existiert das Kunstwerk in der realen Emotionswelt. Es entspringt stets dem Überbleibsel eines (tag-)träumerischen Zustands, dem Inneren, wo man etwa auch Verliebtheit oder Verachtung spürt. Es spricht über die Magie, die dem Moment des distanzierten Betrachtens innewohnt. Der Blick auf den behutsam geflochtenen Zopf der Frau im Bus. In ihrer Materialisierung nehmen Erzählungen Raum ein, werden greifbar: So wird Material der Kanal, durch den ich ausdrücke, was ich nicht in Worte fassen kann oder will. Das Material ist dann Träger einer Information. Es sollte wie ein Sprachsystem sein, das Werkzeug eines Ausdrucks. Jedes Material bringt, wie auch jedes Lebewesen, eine Geschichte mit sich. Es steht für etwas (nicht für ein Etwas, sondern für viele?) und vermittelt dadurch ein Gefühl – Geborgenheit, Freude, Ekel, Gewalt, Sterilität, Vertrautheit, Ungewissheit. Insofern denke ich, dass das Besondere am Manifestieren im Material die plötzliche Zeitlosigkeit der Emotionen ist. Das vielleicht bedeutendste Erzeugnis der Materialisierung ist der Negativraum. Nicht das Objekt ist wichtig, sondern seine Präsenz. Welche Stelle im Raum verdichtet sich durch seine Materialität? Wo wird der organische Körper durch seine Existenz umgeleitet oder angehalten und welchen Raum gibt das Objekt vor? Als Mensch besetzt man, nimmt (sich) Platz und fordert Verbundenheit. Der Natur ist es vollkommen egal, ob ein Mensch den Wald betritt. Keine Wurzel wurde für den Menschen angefertigt, kein Baum existiert für den Menschen. Der Wald ist keine Bühne, er spricht einen nicht an. Die Natur meint einen nicht. [Jeder lebendige menschliche Körper und Milliarden Bakterien stehen jeden Tag im symbiotischen Austausch und versorgen sich gegenseitig mit wichtigen Stoffen oder Handlungen, so wie Bakterien und Pilze, Pilze und Bäume, Bienen und Blumen … Wir essen, scheiden aus, reden und hören zu. Es ist schwierig, ein individuelles Ganzes zu behaupten, wenn alles auf Austausch beruht und offen ist. Und trotzdem bleibt am Ende immer wieder und wieder als Bildwerdung bloß dieses verdammte Rhizom2.] Raum besetzen. Im Öffentlichen, im Inneren des Gegenübers. Öffentlich ist der Raum, der zwischen privaten Räumen entsteht und frei zugänglich ist. Durch die Zugänglichkeit ist er eine potenzielle Bühne für künstlerische Interventionen, die in unmittelbaren Austausch treten, durch eine Intervention oder ein Happening. Die Grenzen verschwimmen, innerlich trägt man die Einschreibungen auf eigene Art mit, nimmt sie auch mal in den Schlaf mit hinein. (Privates) Eigentum erscheint mir ein wenig dramatisch,- (Privatheit ist etwas, das ich sehr respektiere). Der öffentliche Raum beginnt mit dem Schritt aus der Haustür. Vor allem als weiblich gelesene Person ist es wichtig, jedes Wort, jeden Schritt, jede Bewegung weitestgehend so zu choreografieren, dass die verkörperte politische Haltung repräsentiert wird.3 Wenn ich also radikal über die Idee eines öffentlichen Raumes nachdenke, denke ich daran, ihn als das Gegenteil eines privaten Raumes zu definieren? Letzterer ist im Grunde der individuelle mentale Raum. Konkret gesagt: physische Räume, in denen es keinerlei Vermittlung braucht. Ein öffentlicher Raum ist demnach ein Raum, in dem Vermittlung nicht nur notwendig, sondern auch elementar ist. Öffentlichkeit gibt es nicht, sie ist stets im Prozess, immer im Werden. Auch Raum hat mit Gegenwärtigkeit zu tun. Wenn ich meine Umgebung wahrnehme, aber mich nicht über das Denken in ihr verorte, sondern einfach in ihr bin, ist das für mich Gegenwart. Gegenwart gibt es und gibt es nicht. Sie ist eine Aneinanderreihung von Vergänglichkeiten. Der Kontaktpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft, der nie ruht, sondern immer sich nach vorne bewegt. (20) 21, 22, 23 schon wieder vorbei. Gegenwart ist immer! Die Zeit ist eine Landschaft, ein Flow, – keine Linie. Gegenwart als Ausgangspunkt, das Zeitgenössische als aus dem Jetzt denkend. Zeitgenossenschaft („contemporaneity“4) hingegen als Zustand der distanzlosen Verkörperung gegenwärtiger Ambivalenzen. [„Tagträume sind bildhafte, mit Träumen vergleichbare Fantasievorstellungen und Imaginationen, die im wachen Bewusstseinszustand erlebt werden.“, heißt es bei Wikipedia, der vielleicht bekanntesten Plattform gemeinschaftlicher Wissensgenerierung. Diese Form des hierarchiefreien Zusammenarbeitens und Teilnehmens ist wohl ebenso verlockend utopielastig, wie das Tagträumen selbst. Und so treffen sich in der Frage ‚Gibt es einen Zustand des kollektiven Tagträumens?‘ Gefahr sowie Schönheit unterschiedlicher Realitäten, Wahrheiten und nicht zuletzt ganz einfach: Perspektiven.] Informationsstränge wurden behutsam geflochten, wieder verworfen und neu angesetzt. Das ist ein mögliches Ergebnis einer fiktionalen, wahrgewordenen Aushandlung, des Versuches kollektiven Tagträumens. 1 Hieronymi, Leonhard, Ultraromantik, Berlin 2017. 2 Gilles Deleuze, Félix Guattari, Rhizom (Internationale marxistische Diskussion, 67), Berlin 1977. 3 Frei nach Simon de Beauvoir. 4 Irit Rogoff, „The Expanded Field“, in: Jean-Paul Martinon (Hrsg.), The curatorial: a philosophy of curating, London; New York 2013, S. 46. Diese Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung von: Reinraum e.V., Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, Stadtsparkasse Düsseldorf and Akademieverein München
Paulina Seyfried

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