Lucila Pacheco Dehne
To All My Roaring Bodies, The Seeds And The Mountains
Project Info
- đ Kestner Gesellschaft
- đ Alexander Wilmschen
- đ€ Lucila Pacheco Dehne
- đ Alexander Wilmschen
- đ Volker Crone
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Protecting Carriers, Serving dishes, ceramic, wax, salt 2022
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Protecting Carriers, Serving dishes, detail 2022
Soft Shells, Wax, 2022
El Campo Resiste, Silicone, Wire,
âWiderstand kann bedeuten, sich an Rezepte und Zutaten zu erinnern, die durch Gewalt genommen wurden, und gleichzeitig, Traditionen zu brechen und diese neu zu schreiben.â
Lucila Pacheco Dehne, 2022
Mit der Einzelausstellung To All My Roaring Bodies, The Seeds And The Mountains von Lucila Pacheco Dehne initiiert die Kestner Gesellschaft einen neuen Zyklus in ihrem Ausstellungsprogramm, der unter dem Titel Future Scenarios die aktuellen Kunstproduktionen der jĂŒngeren, aufstrebenden KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler, den âneuen Zeitgenossenâ der lokalen Szene, prĂ€sentiert. Die Future Scenarios sind ein nomadisches und parasitĂ€res Format ephemeren Charakters, das auf die Architektur der Kestner Gesellschaft reagiert und eine Strategie der unerwarteten Erscheinung und des Aufbrechens als Operationsmodus verfolgt.
Pacheco Dehne erschafft in der Kestner Gesellschaft eine unwirkliche und zugleich surrealistische Szene, in der sich die Gewissheiten der bekannten Welt verrĂŒcken. To All My Roaring Bodies, The Seeds And The Mountains besetzt erstmals den Zwischenraum auf dem Weg zur KĂŒche. Sie befragt den Ort nach seiner verlorenen Bedeutung und untersucht das Potenzial des Kochens als Kulturpraxis, die in ihrem Innersten eine widerstĂ€ndige Kraft verbirgt. Pacheco Dehne eröffnet einen Dialog darĂŒber, wie das gemeinsame Kochen und Essen neue IdentitĂ€ten entstehen lĂ€sst, sich feministische Wut die Kulturtechnik zunutze macht und die KĂŒche als Widerstandszelle ihre Kraft in die Welt verteilt.
FĂŒr den Ăbergangsort hat Pacheco Dehne eine Reihe neuer Skulpturen und Keramiken geschaffen, die sie auf zurĂŒckgelassenen Servierwagen im Kontext bereits existierender Werke prĂ€sentiert. Konfrontiert mit Pacheco Dehnes Wandtext A Soup (2022), einem poetischen Rezept, das von Wut und Hunger berichtet, erstreckt sich auf der gegenĂŒberliegenden Seite ein wellenförmiger Vorhang. Zwischen dem Stoff wurden silberne Pflanzensamen mit MilchfĂ€den angebunden. Ăber dem Teppich, der den Raum fragmentiert und in eine beige-violette FarbflĂ€che spaltet, stehen auf einem Vorsprung mehrere mit Salz befĂŒllte Keramiktöpfe. Die Soundarbeit CanciĂłn Sin Fin (2022) schafft die GerĂ€uschkulisse einer Improvisation des Cacerolazos, eine Praxis aus SĂŒdamerika, bei der auf Demonstrationen und Protesten mit Löffeln auf Töpfe geschlagen wird.
In ihrer Ausstellung konstruiert Pacheco Dehne ein zukĂŒnftiges Szenario, bei dem das Kochen ein bedeutender Augenblick in unserem gemeinsamen Handeln wird, der es ermöglicht, ĂŒber die Erfahrung von kultureller wie persönlicher IdentitĂ€t zu reflektieren und diese neu zu definieren. Pacheco Dehne aktiviert die KĂŒche der Kestner Gesellschaft erstmals in ihrer Geschichte fĂŒr den Austausch ĂŒber sinnliche und zugleich wĂŒtende Gedanken zum Essen, die sie bei den Food-Performances Parangaricutirimicuaro â Of Women Preparing The Resistance (2022) zur Eröffnung und Frijoles Resistentes (2023) im Januar 2023 im gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit den Besucher*innen vertieft.
Alexander Wilmschen