Submission
Georg Thanner & Manuel Cornelius

The Man-Servant


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Exhibition view: Manuel Cornelius and Georg Thanner, The Man-Servant, 2021, photo: Manuel Cornelius
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Exhibition view: Manuel Cornelius and Georg Thanner, The Man-Servant, 2021, photo: Manuel Cornelius
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Detail: Manuel Cornelius and Georg Thanner, Servant, 2021, plaster, concrete, foam, pigment, pumice powder, acrylic, polyethylenterephthalat, shellac, glass fibre, 207 x 128 x 55 cm, photo: Manuel Cornelius
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Exhibition view: Manuel Cornelius and Georg Thanner, The Man-Servant, 2021, photo: Manuel Cornelius
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Detail: Manuel Cornelius and Georg Thanner, Servant, 2021, photo: Manuel Cornelius
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photo: Manuel Cornelius
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Detail: Manuel Cornelius and Georg Thanner, Servant, 2021, plaster, concrete, foam, pigment, pumice powder, acrylic, polyethylenterephthalat, shellac, glass fibre, 207 x 128 x 55 cm, photo: Kai Werner Schmidt
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Georg Thanner, untitled, 2020 Ink on paper, 60 x 43 cm, photo: Kai Werner Schmidt
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Manuel Cornelius, Head, 2021, concrete, plaster, pigment, pumice powder, acrylic, polyethylenterephthalat, shellac, glass fibre, 30 x 30 x 23 cm, photo: Kai Werner Schmidt
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Georg Thanner, untitled, 2021, Ink, pen and watercolor on paper, 60 x 43 cm, photo: Kai Werner Schmidt
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Manuel Cornelius, Shoe, 2021, plaster, shellac, pigment, pumice powder, polyethylenterephthalat, shoe lace, 35 x 9 x 13 cm, photo: Kai Werner Schmidt
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photo: Kai Werner Schmidt
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Exhibition view: Manuel Cornelius and Georg Thanner, The Man-Servant, 2021, photo: Kai Werner Schmidt
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Detail: Manuel Cornelius & Georg Thanner, Besala und Schäufala, 2021, 8 individual broom and dustpan sets, various materials, 15 x 15 x 15 cm each, photo: Kai Werner Schmidt
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photo: Kai Werner Schmidt
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Georg Thanner, untitled, 2021, Ink, pen and watercolor on paper, 60 x 43 cm, photo: Kai Werner Schmidt

Hat nicht der Marxkarl sich einmal, vermutlich wie er noch ein junger Bursch’ gewesen ist, geäußert bezüglich dem was eigentlich genau los war bevor die Entfremdung in die Welt gekommen ist?
Ich mag mich täuschen, aber ich meine, dass er gesagt hat, dass damals nicht nur der Mensch von seiner Arbeit noch nicht entfremdet war, sondern auch der Diener noch nicht von seinem Herrn, wobei er das natürlich keineswegs als ein Idyll verstanden haben hat wollen.

Jedenfalls ist damals für den Diener der Herr eine ganz konkrete Person gewesen, zu der er auch als solche eine Beziehung gehabt hat, so wie wir heute eine Beziehung zu haben glauben zu einer Person, die wir zum Beispiel lieben. Und auf eine solche Weise eben liebt auch der Diener, den wir uns ausgedacht haben, seinen Herrn. Aber wahrscheinlich sollte er sich das besser aus dem Kopf schlagen, denn es ist eben nicht mehr die alte Zeit, und nicht nur liebt der Herr den Diener nicht zurück, nein, es ist ihm sogar äußert unangenehm, wie der Diener für ihn empfindet.

Man könnte es komplizierter ausdrücken und deutlich mehr Worte daran verwenden, und so soll es im Folgenden auch geschehen, doch sei hier eingangs festgehalten, dass es sich im Kern so verhält und auf diesen Kern stets und immer zurückführen ließe.

Man könnte es also hiermit belassen, denn alles wesentliche zur Ausstellung ist eigentlich gesagt.

Zu sprechen aufzuhören aber würde bedeuten zur Tat schreiten zu müssen, und da wir einerseits nicht wissen was überhaupt eine Tat wäre, und andererseits schon jetzt Angst vor ihr haben, sprechen wir lieber weiter.

Der Diener lebt in den Wänden bzw. er hat im Haus seines Herren ein anderes, deutlich ärmeres Haus, das er nicht wirklich sein eigen nennen kann (es ist ihm vom Herrn nur verliehen und kann ihm als Lehen jederzeit entzogen werden, wenn er nicht spurt oder sonst irgendwas nicht passt, oder wenn der Herr in Konkurs geht durch eine Fehlspekulation oder durch die Vorsehung oder so), und welches in das Haus des Herrn quasi hineingekleistert ist in die Fugen und Ritzen quasi hinein, da wo man nicht so genau hinschaut und wo aber deshalb nicht etwa weniger saubergemacht werden muss. Der Diener ist im Haus seines Herrn selbst eine Art Schmutz oder Pilz, und das lässt ihn der Herr auch immer wieder mal spüren, auch wenn es natürlich schon hier und dort mal ein lobendes Wort gibt für den Diener, dem ja sonst das Dienerherz nur in einem fort herausgerissen würde, ohne dass es mal eine Verschnaufpause gäbe zum Nachwachsen.

Mathematisch* könnte man es so ausdrücken, dass es alles im Haus zwei Mal gibt (stimmt so auch nicht ganz), also, es gibt eine gute Treppe für den Herrn und es gibt eine schlechte Stiege für den Diener, und es gibt eine gute Stube für den Herrn und einen Salon für den Herrn und seine Bekanntschaften und Verwandtschaften und sonstigen -schaften, und es gibtein Schlafzimmer für den Herrn und die hier im folgenden gnädigst nicht mehr weiter thematisiert werdende Herrin (wir wollen an all das am besten gar nicht denken, obwohl es ja schwer zu ignorieren ist, da es im Haus ja Kinder gibt und die Kinder ebenfalls Zimmer haben und diese (die Kinder) ja irgendwo herkommen müssen, denn sonst gäbe es ja ihre Zimmer nicht; aber eigentlich gab es ja die Kinderzimmer schon vor den Kindern, und vielleicht hat ja das Schlafzimmer die Kinderzimmer hervorgebracht und die Kinderzimmer dann die Kinder (stimmt nicht)), und ebensolch also gibt es für den Diener ein ärmliches Kämmerlein ohne Heizung, wo er unbenutzt herumstehen darf, wenn er gerade nicht gebraucht wird und sich auch sonst nicht nützlich zu machen weiß.

*Mathe übrigens keine Naturwissenschaft, sondern eine Geisteswissenschaft oder ein Pilz oder irgendwas

Es ist alles so unfassbar schwer zu denken, und es zu sagen ist sowieso ausgeschlossen, denn zu wem sollte man es sagen, und wäre es nicht ohnehin unangebracht, und überhaupt wäre es dem Diener selbst unangenehm, was-auch-immer auszusprechen, wie sollte es dann erst für einen Außenstehenden etwas anderes sein als eine Zumutung, die freche Hineinziehung eines Unschuldigen in eine Gefühlswelt, für die man sich zu Recht zu schämen haben muss, und eine Belästigung. Der Mensch-Diener, der an dieser Gefühlswelt die Schuld trägt, wohnt im Diener herinnen wie der Diener im Haus des Herrn herinnen wohnt, in den Spalten und Ritzen und da, wo man (der Diener) ihn so wenig wie möglich zusehen bekommen muss und wo man beim Putzen schlecht hinkommt.

(Entschuldigungsbrief des Dieners für irgendeine winzige Verfehlung): Verzeiht mir, Oh Herr! Völlig zu Recht habt ihr mir gezürnt, Oh Herr, völlig zu Recht habt ihr dagestanden und geschrien:

Du Ratz
Du Seuch
Du Spul
Du

Schwamm
Du Mispel Du
Du Mist
Du

Schmutz
Du Ding
Du Dreck

Sehr geflennt habe ich, aber nur deshalb, weil es so sehr gestimmt hat, was ihr gesagt habt und wie ihr es gesagt habt, denn wohn’ ich nicht wirklich wie ein Ratz im Loch, durchzieh ich nicht das Haus wie ein Schwamm, und bin ich nicht sogar weniger wie der Kehricht, denich aufkehr’, denn dieser Kehricht immerhin rührt her von euch, und ich rühr doch von nichts her.
Oh, wenn ich schon parasitär sein muss, so wär ich doch wenigstens gern ein Gallapfel an der Eich’, dann könntet ihr mich nämlich zerquetschen, und aus mir könnt’ eine Tinte werden, mit der ihr dann euren Namen zeichnen könntet.

Jedesmal, wenn im Haushalt etwas zerbricht, wenn also zum Beispiel ein kleines Tässlein zerbricht, dann geht dem Diener das viel näher als dem Herrn, der doch der eigentliche Besitzer des Tässleins ist, aber der Diener ist die Amme des Tässleins, und er liebt es viel mehr, weil er nämlich mit ihm umgegangen ist und für es gesorgt hat, und er kann es kaum ertragen die zwei Hälften des zersprungenen Tässleins zu sehen, wie sie da auf dem Teppich liegen.
Wieder mal nämlich hat es eins der Teetasserl vom Tisch gehaut (niemand ist schuld), und nun muss er (der Diener) die Kombination aus Besen und Schaufel holen, bzw. die Paarung der beiden, die man da, wo der Diener herkommt, Besala und Schäufala nennt, um die beiden Hälften aufzukehren und in den Müll zu bringen. Für solche Zwecke hat der Diener ein eigens angefertigtes Besala und Schäufala (Schäufala aus dunklem Holz und als Besala ein stets frisch abgeschnittener Thujenwedel), mit der er die zerbrochenen Überreste der kleinen Tasse aufkehrt. Später wird sie heimlich in der Dachkammer des Dieners aufgebahrt, und der Diener führt der Reihe nach die anderen Tassen, das Milchkännlein und zuletzt die alte, rundliche Teekanne in die Kammer, damit sie von der Tasse Abschied nehmen können. Die Teekanne hat eine Warmhaltehaube aus schwarzem Filz an im Andenken an die Kaffeekanne, die schon vor Jahren heruntergefallen ist, und sie trägt den Anblick des Tässleins mit Fassung; nur wie sie das noch ganz zarte Henkelchen sieht, bildet sich doch ein einzelner Tropfen an ihrer Tülle. Das Milchkännlein kommt zwar recht brüsk herein, verliert aber natürlich sofort die Fassung.
Danach heißt es für alle wieder antreten zum Nachmittagstee.

Der Diener bemüht sich, diese Riten vor dem Herrn zu verbergen, aber dieser hat dennoch schon länger Kenntnis von ihnen genommen. Sie sind Anlass zu großer Sorge um den Zustand des Dieners.

Der Herr ruft seinen Diener zu sich, um ihn an einer besonders köstlichen Stelle bei Lichtenberg teilhaben zu lassen, die da lautet dass es vortrefflich wäre, wenn sich ein Katechismus, oder eigentlich ein Studienplan erfinden ließe, wodurch die Menschen vom dritten Stande in eine Art von Biber verwandelt werden könnten.
Der Diener versteht nicht, was die Geschichte (oder ist es eher ein Gleichnis?) bedeuten soll.Fortfahrend der Herr: Ich kenne kein besseres Tier auf Gottes Erdboden: es beißt nur, wenn es gefangen wird, ist arbeitsam, äußerst matrimonial, kunstreich und hat ein vortreffliches Fell. Vor allem das mit dem Fell: köstlich.
Schuldvoll betastet der Diener sein trockenes Haar und die langen Strähnen, die er sich vom Hinterkopf sorgfältig über die Platte bis in die Stirn hinein gelegt hat.

Soll er gemeint sein mit dem Biber? Der Biber ist doch, das weiß der Diener noch von Zuhause, wenn nicht direkt ein Schädling, so doch mindestens Lästling, weil nämlich sein geschäftiges Treiben allerhand Unheil verursacht und das geschäftige Treiben des Menschenimmer wieder aufs empfindlichste stört, indem nämlich die Dämme der Biber die Felder der Menschen überfluten und die Biber in sinnlosem Eifer Bäume fällen, auf die der Mensch doch schon sein Auge geworfen hatte, und mit denen er sicherlich etwas viel besseres im Sinn gehabt hätte als einen Damm oder einen Bau, einen Tisch beispielsweise, oder ein Spinnrad. Der Diener möchte aber kein Lästling sein und erst recht kein Schädling, sondern ein Nützling, ein lieber Teil von etwas anderem, ein einer Teil, der nur existiert im Verweis auf einen anderen, oder am besten größeren Teil (den Herrn). Der Mensch aber ist dem Mensch ein Biber geworden (homo homini castor), denkt der Diener.

Nichts davon äußert der Diener. Er sagt nur verlegen: dass dieses wirklich sehr witzig sei, ein treffender Gedanke des klugen Göttingers, nur: was jener Dritte Stand sei, von dem die Rede gewesen? Der Herr klärt ihn auf: der Dritte Stand, das seien sie beide; da seien doch wir mit gemeint, wir, die einfachen Leuten, sagt der Herr zum Diener. Der Diener hat ein ganzes Sortiment von Besala und Schäufala, viel mehr als er vernünftigerweise brauchen würde, um seine Arbeit zu verrichten (strenggenommen würde ja ein Paar schon völlig genügen). Diese werden nach ihrer Verwendung selbst wiederum gereinigt, denn auch sie sind Teil des Haushalts.
Zusammen mit dem Teegeschirr bilden sie den Vierten Stand (den der Dinge), der in der Hierarchie unter dem des Dieners steht und über den der Diener deshalb eine Herrschaft auszuüben hat. Er bemüht sich, den Dingen ein gütiger und aufmerksamer Herr zu sein. Er möchte über sie so herrschen, wie er sich wünscht dass über ihn geherrscht würde. Gelegentlich aber fällt es ihm doch schwer, ein gerechter Herrscher zu sein, denn insgeheim liebt er die Besala und die Schäufala mehr als zum Beispiel die Tassen oder den Eimer, und eine Liebe zeigt sich ja gerade dann, wenn man versucht, sie zu verbergen.

Das Besala ist für das Schäufala da, und ohne den anderen wären sie nichts, denn wo sollte man den Kehricht hineinschaufeln ohne das Schäufala, und umgekehrt bliebe ja das Schäufala leer ohne sein Besala.

Text: Georg Thanner