Wasting time on the Internet 2.0

Nächste Woche Dienstag öffnet das Nachtfoyer ab 19.00 Uhr in der Kunsthalle Düsseldorf seine Türen: Wasting time on the Internet 2.0. Eine Ausstellung einmal anders. Der White Cube, der Versuch, einen Raum zu entwickeln, der ohne Fenster, Farbigkeit, auffällige Strukturen und aufwendige Beleuchtung lebt, existiert nicht mehr. Bei dem Projekt Wasting time on the Internet 2.0 geht es nicht darum den Betrachter und das Kunstwerk von Außeneinflüssen abzuschotten, um so einen optimalen Austausch zu gewährleisten. Vielmehr wird der Grundgedanke des White Cubes aufgebrochen. In der Pressemitteilung heißt es in hervorgehobenen Buchstaben „do not forget to bring your computer“, am Eingang werden USB Flash Drives verteilt, es gibt Pizza und Drinks. Die Arbeiten der Künstler und Künstlerinnen des WTI2.0 werden Geräte gezeigt. Es geht um das gemeinschaftliche Schauen und Handeln. Interaktion auf der Basis von Reflexion.

Das Projekt WTi 2.0 findet seinen Ursprung in der Arbeit Wasting time on the Internet des US-amerikanischen Künstlers Kenneth Goldsmith. Die Menschen verbringen heute viel Zeit vor Monitoren. Chats, Social-Media, Shopping, YouTube, Google. Zeitvergeudung? Kenneth Goldsmith geht der Frage nach: Was ist, wenn diese Tätigkeiten, wie status-updating, SMS senden und zufälliges Surfen als Ressource für die Erstellung eindrucksvoller und emotionalen Werke der Literatur verwendet wird? WTI 2.0 greift diesen Ansatz auf und erforscht Veränderungen in Alltag, Kultur und Gesellschaft in Bezug auf das Internet.

Der australische Digitalkünstler Joe Hamiltion changiert in seiner Arbeit mit zufällig gefundenen Materialien und Technologien. Es entstehen komplexe Kompositionen, die online, offline oder im Wechsel stattfinden. Hamilton’s Grundlage für eine seiner bekanntesten Arbeiten Hyper Geography (2011) ist die Plattform Tumblr. Er hat eine aufwendige Collage entworfen, die auf unzähligen Bildern, die der Künstler 2011 gesammelt hat, basiert. Einzelne Einträge gehen nahtlos ineinander über. Er inszeniert eine zusätzliche Meta-Ebene und spielt mit den Funktionen des Anbieters bis ins unermessliche. Nächste Woche steht sein Video The Internet Explorer (2015) im Mittelpunkt.

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Joe Hamilton, Internet Explorer 2015 , Video

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Joe Hamilton, Internet Explorer 2015, Video

Nuno Patrício (Lissabon) verbindet Video, Installation, digitale Illustration und Grafik-Design. Er untersucht den Einfluss der Technik auf die Popkultur und digitale Persönlichkeiten. Als Herausgeber der Online-Plattform O Fluxo will er ein kritisches Verständnis im Umgang mit der zeitgenössischen Kultur durch die Förderung von Medienkunst unbekannter, aufstrebender und professioneller Künstler und Künstlerinnen, Aktivisten und Aktivistinnen sowie Studenten und Studentinnen aus der ganzen Welt verbreiten. Vereinzelt entstehen neben der Online-Präsenz Printausgaben zum Thema.

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Nuno Patrício X=X, or „(We) look to theory only when (We) realize that somebody has dedicated their entire life to a question (We) have only fleetingly considered“, Video, 2015

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Nuno Patrício X=X, or „(We) look to theory only when (We) realize that somebody has dedicated their entire life to a question (We) have only fleetingly considered“, Video, 2015

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Nuno Patrício X=X, or „(We) look to theory only when (We) realize that somebody has dedicated their entire life to a question (We) have only fleetingly considered“, Video, 2015

Silvio Lorusso ist ein italienischer Künstler und Designer. Er promoviert an der Universität IUAV Venedig und untersucht die Schnittstelle zwischen Verlagswesen und digitaler Technologien aus der Sicht von Kunst und Design. Letztes Jahr hat der Künstler anhand von „Kickspy-Daten“ alle Crowdfunding-Projekte auf der Seite Kickended vereint, die ihr Ziel weit verfehlt und nicht einen Cent eingespielt haben. Damit äußerte er Kritik an Crowfunding-Plattformen und regte an: Projekte nicht nur nach ihrem finanziellen Erfolg zu bemessen, sondern nach ihrem wahren künstlerischen Wert, auch wenn dieser im ersten Moment abstrakt erscheint.

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Silvio Lorusso Reblogs or Context is the New Content, Video, 2015

Weitere Künstler und Künstlerinnen des Projekts

!Mediengruppe Bitnik (CH)
Unità di Crisi (IT)
Banz & Bowinkel (D)
Emilie Gervais (FR)
Sebastian Schmieg (D)
Jaakko Pallasvuo (D/FI)
New Bretagne (D)
Florian Kuhlmann (D)

Das NACHTFOYER: WTI 2.0 ist eine innovative und spannende Veranstaltung. Die Konsumenten werden aufgefordert künstlerisch, produktiv, aber auch kritisch mit bestimmten Inhalten umzugehen. Ein Bewusstsein entwickeln. Erforschen. Hinterfragen. Verwerten. Reflektieren.

„do not forget to bring your computer! Wasting time is instrumental – Debates are essential.“

Ab 22.00 Uhr beginnt die Aftershow Party im Salon des Amateurs.